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EULENFISCH 1_2016

Flucht in die Fremde
Per DHL für 3,00 €
Preis
Preis: 7,00 €
Beschreibung

Der Barmherzigkeitseffekt

Fremdes besitzt eine provozierend elementare Kraft. Fremdes irritiert. Fremdes ängstigt auch bisweilen. Vertrautes wird in Frage gestellt. Das Eigene kann durch die Begegnung mit dem Fremden plötzlich sogar selbst fremd erscheinen. Die Flüchtlinge aus der Fremde stellen unsere europäische Lebensweise in Frage und erinnern uns an das humanitäre, universale Versprechen der europäischen Idee. Gleichzeitig setzen sie ihr Leben dafür ein, Teil unserer Kultur zu werden. Statt solidarisch die moralisch-politische Herausforderung der Zeit mutig anzunehmen, schottet sich Europa ängstlich ab und schlittert in eine nie für möglich gehaltene Identitätskrise. Europa läuft Gefahr, seine Seele zu verlieren. Wird durch das tägliche Drama auf dem Mittelmeer im Grunde eine schon länger schwelende Krise unserer europäischen Gesellschaften nicht gerade erst aufgedeckt? Dabei sollte Europa doch seine Wurzeln besser kennen. Flucht und Vertreibung durchziehen Europa als Erinnerungsspur von der Antike bis in die Gegenwart. Der Mensch ist ein homo migrans. Gerade die Bibel weiß das nur zu gut. Sie liest sich als eine große Erzählung von Flücht lingsschicksalen: „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder ...“, heißt das älteste Glaubensbekenntnis Israels (Dtn 26,5). Die Bibel ist sicher kein Rezeptbuch für die aktuelle Krise. Sie führt uns aber in eine Kultur der Barmherzigkeit ein, die im Fremden den Gast und im Flüchtling den Nächsten sieht. Papst Franziskus führt diesen Gedanken weiter aus, indem er betont: „Ich darf die anderen nicht katalogisieren, indem ich entscheide, wer mein Nächster ist und wer nicht. Es hängt vielmehr von mir ab, ob ich der Nächste bin – oder nicht – für den Menschen, dem ich begegne und der Hilfe braucht. Auch wenn er ein Ausländer ist oder feindlich gesinnt.“

Ich wünsche Ihnen im Namen der Eulenfisch-Redaktion eine erholsame Ferienzeit.

Martin W. Ramb

 

In der Ausgabe Eulenfisch 1_2016 blättern (Heftauszug). 

 

Inhalt


PERSPEKTIVEN

Rupert Neudeck - Flucht - Nagelprobe auf die Barmherzigkeit
Navid Kermani - Er hörte auf sein Gefühl
Martin Kirschner - Der Papst, die gefährdete "Seele Europas" und die Grenzen der Integration
Rita Müller-Fieberg - "Wie ein Vogel, der aus seinem Nest flüchtet..."
Thomas Ruster - Den Blick der Fremden teilen
Holger Zaborowski - Europas Verantwortung und die Gabe der Hoffnung
Gerd Neuhaus - Religiöse Wahrheitsansprüche

PRAXIS

Mirijam Zimmermann - Dem Flüchtling literarisch ein Gesicht geben
Thomas Menges - Urteilsfähig werden
Matthias Cameran - Zur Entscheidenheit gerufen
Andreas Thelen-Eiselen - "Weit weg ist näher, als du denkst"

KULTUR

Iris Maria Gniosdorsch - Das Meer und der Tod
Thomas Menges - Ertrunken im Mittelmeer
Flucht als Erinnerungsspur
Michael Hochschild - Chaotische Systeme
Karl Heinz König - Wie die Jünglinge im Feuerofen

FORUM

Franz-Günther Weyrich - "Zieh aus deinem Land..."
Darrin Zammit Lupi - Islelanders
Oguz Sen und Justus Becker - Es ist ein Gedenkbild
Michael Hochschild - Ökonomie des Unheils
Joachim Valentin - Jenseits der Extreme
Brigitte Maria Mayer im Gespräch - "Nur die Kunst lässt hoffen"
Friederike Lanz - Von Ikonen, Träumen und dem Sinn des Lebens
Eckhard Nordhofen - Inkarnation für alle!
Matthias Cameran - This War of Mine

 

Der Barmherzigkeitseffekt

Fremdes besitzt eine provozierend elementare Kraft. Fremdes irritiert. Fremdes ängstigt auch bisweilen. Vertrautes wird in Frage gestellt. Das Eigene kann durch die Begegnung mit dem Fremden plötzlich sogar selbst fremd erscheinen. Die Flüchtlinge aus der Fremde stellen unsere europäische Lebensweise in Frage und erinnern uns an das humanitäre, universale Versprechen der europäischen Idee. Gleichzeitig setzen sie ihr Leben dafür ein, Teil unserer Kultur zu werden. Statt solidarisch die moralisch-politische Herausforderung der Zeit mutig anzunehmen, schottet sich Europa ängstlich ab und schlittert in eine nie für möglich gehaltene Identitätskrise. Europa läuft Gefahr, seine Seele zu verlieren. Wird durch das tägliche Drama auf dem Mittelmeer im Grunde eine schon länger schwelende Krise unserer europäischen Gesellschaften nicht gerade erst aufgedeckt? Dabei sollte Europa doch seine Wurzeln besser kennen. Flucht und Vertreibung durchziehen Europa als Erinnerungsspur von der Antike bis in die Gegenwart. Der Mensch ist ein homo migrans. Gerade die Bibel weiß das nur zu gut. Sie liest sich als eine große Erzählung von Flücht lingsschicksalen: „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder ...“, heißt das älteste Glaubensbekenntnis Israels (Dtn 26,5). Die Bibel ist sicher kein Rezeptbuch für die aktuelle Krise. Sie führt uns aber in eine Kultur der Barmherzigkeit ein, die im Fremden den Gast und im Flüchtling den Nächsten sieht. Papst Franziskus führt diesen Gedanken weiter aus, indem er betont: „Ich darf die anderen nicht katalogisieren, indem ich entscheide, wer mein Nächster ist und wer nicht. Es hängt vielmehr von mir ab, ob ich der Nächste bin – oder nicht – für den Menschen, dem ich begegne und der Hilfe braucht. Auch wenn er ein Ausländer ist oder feindlich gesinnt.“

Ich wünsche Ihnen im Namen der Eulenfisch-Redaktion eine erholsame Ferienzeit.

Martin W. Ramb

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