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EULENFISCH 1_2017

Begegnungen mit Wirklichkeit
Per DHL für 3,00 €
Preis
Preis: 7,00 €
Beschreibung

Postfaktisch?

Was kann man überhaupt noch glauben? Was ist wahr, was falsch? Nicht nur in der politischen Debatte in den USA treten neben Fakten plötzlich „alternative Fakten“. Ein Zeitalter nach der Wahrheit („post-truth“) wird ausgerufen und das deutsche Lehnwort „postfaktisch“ wurde zum Wort des Jahres 2016 gekürt. Verschwörungstheorien jeglicher Couleur haben Konjunktur und konkurrieren um Glaubwürdigkeit. Pilatus' Frage an Jesus, was denn Wahrheit sei, scheint in Zeiten des Internets aktueller denn je zu sein – neu und radikaler gestellt zu werden. Virtualität, erweiterte Realität und Parallelwelten zwingen uns, über das Wesen der Wirklichkeit neu nachzudenken. Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Gibt es sie nur im Singular oder müssen wir von einer Vielzahl
von Realitäten ausgehen? Aber wie vermittelt sie sich uns dann? Brauchen wir etwa einen neuen Begriff von ihr? Und wie kann menschliche Kommunikation und unser Zusammenleben überhaupt gelingen, wenn sogenannte Filterblasen dafür sorgen, dass wir nur das wahrnehmen, was wir sehen und glauben möchten?

„Begegnungen mit Wirklichkeit“ haben wir die neueste Ausgabe des Eulenfischs genannt, um anzudeuten, dass wir unterschiedliche Zugänge zur Wirklichkeit in ihrer Vielgestaltigkeit brauchen. Zugleich gibt es aber auch jenseits allen Nachdenkens eine besondere Art von Gewissheit, die in der echten Begegnung mit anderen Menschen zu finden ist. „Im Blick werden Menschen füreinander wirklich.“ (Holger Zaborowski)  
Für diese Weite von Wirklichkeit steht von Anfang an emblematisch auch unser Eulenfisch. Vernunft und Glaube finden in Eule und Fisch in neuer Weise zueinander und beschreiben die geistigen Horizonte unserer Welt. Grund genug, ihn selbst erstmals die ganze Titelseite schmücken zu lassen.

Ich wünsche Ihnen im Namen der Redaktion eine erholsame Ferienzeit und eine anregende Lektüre.

 

Martin W. Ramb

 

 

Inhalt


PERSPEKTIVEN

Linus Hauser - Was ist Wirklichkeit?
Holger Zaborowski - Das Wirkliche und das Unwirkliche
Andreas Matena - Paralleluniversen
Thomas Schumacher - Fake News - Good News
Sabine Pemsel-Maier - Sprung aus Raum und Zeit: Die Auferstehung Jesu
Hans-Dieter Mutschler - Bitte zurücktreten!
Joachim Valentin - Zwischen Realität und Fiktion
Manfred Faßler im Gespräch - Erweiterung der sensitiven Wirklichkeit

PRAXIS

Matthias Cameran - Mit dem lieben Gott hat das rein gar nichts zu tun!
Andreas Thelen-Eiselen - Der Wirklichkeit ins Auge schauen
Michael Winklmann - Los Pikachu! Wenn die Wirklichkeit virtuell wird
Jutta Kähler / Martina Ide - Selfie. Kann Masse klasse sein?
Jochen Ring - Was heißt Konstruktivismus?
Anette Loga - Der Mensch - unterwegs mit (leichtem) Gepäck?

KULTUR

August Heuser - Löcher in der Wirklichkeit
Gabriele und Bernd Mielich im Gespräch - Das Bild hält die Zeit an
Peter Wayand - Ein Tag ohne Tod
Christopher Paul Campbell - Zwiegespräch mit Licht
Nick Brandt - Inherit the Dust

FORUM

Michael Hochschild - Negativer Absolutismus
Maria Jakobs im Gespräch - Die Zukunft des Religionsunterrichts
Friederike Lanz - Vom 95 Thesen, 55 Lernspielen und einem Krimidebüt
Hanns-Josef Ortheil - Eine Abtei im Westerwald
Rudolf Laufen - Gottes unbedingtes Ja

Der Barmherzigkeitseffekt

Fremdes besitzt eine provozierend elementare Kraft. Fremdes irritiert. Fremdes ängstigt auch bisweilen. Vertrautes wird in Frage gestellt. Das Eigene kann durch die Begegnung mit dem Fremden plötzlich sogar selbst fremd erscheinen. Die Flüchtlinge aus der Fremde stellen unsere europäische Lebensweise in Frage und erinnern uns an das humanitäre, universale Versprechen der europäischen Idee. Gleichzeitig setzen sie ihr Leben dafür ein, Teil unserer Kultur zu werden. Statt solidarisch die moralisch-politische Herausforderung der Zeit mutig anzunehmen, schottet sich Europa ängstlich ab und schlittert in eine nie für möglich gehaltene Identitätskrise. Europa läuft Gefahr, seine Seele zu verlieren. Wird durch das tägliche Drama auf dem Mittelmeer im Grunde eine schon länger schwelende Krise unserer europäischen Gesellschaften nicht gerade erst aufgedeckt? Dabei sollte Europa doch seine Wurzeln besser kennen. Flucht und Vertreibung durchziehen Europa als Erinnerungsspur von der Antike bis in die Gegenwart. Der Mensch ist ein homo migrans. Gerade die Bibel weiß das nur zu gut. Sie liest sich als eine große Erzählung von Flücht lingsschicksalen: „Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder ...“, heißt das älteste Glaubensbekenntnis Israels (Dtn 26,5). Die Bibel ist sicher kein Rezeptbuch für die aktuelle Krise. Sie führt uns aber in eine Kultur der Barmherzigkeit ein, die im Fremden den Gast und im Flüchtling den Nächsten sieht. Papst Franziskus führt diesen Gedanken weiter aus, indem er betont: „Ich darf die anderen nicht katalogisieren, indem ich entscheide, wer mein Nächster ist und wer nicht. Es hängt vielmehr von mir ab, ob ich der Nächste bin – oder nicht – für den Menschen, dem ich begegne und der Hilfe braucht. Auch wenn er ein Ausländer ist oder feindlich gesinnt.“

Ich wünsche Ihnen im Namen der Eulenfisch-Redaktion eine erholsame Ferienzeit.

Martin W. Ramb

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