Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Des Menschen bester Freund - auch im Tod

Bestattung von Mensch und Tier – Unterrichtsvorschläge für die Primar- und Sekundarstufe I

Die Zahl der Tierfriedhöfe und -krematorien in Deutschland wächst ebenso wie die Nachfrage nach vielfältigen Angeboten professioneller Tierbestattungsunternehmen. Der Markt boomt, denn Angebot und Nachfrage steigen stetig. Tierbestattung ist zu einem Thema geworden, das eine hohe lebensweltliche Relevanz besitzt und bislang im Religionsunterricht nur wenig Beachtung fand. Dabei leben in nahezu jedem dritten Haushalt Tiere, mit denen Kinder und Jugendliche aufwachsen. Ganz gleich, ob es der Hamster, das Kaninchen, die Katze oder der Hund ist: Oftmals setzen sich vor allem Kinder mit Trauer und Tod zum ersten Mal durch den Verlust ihres Haustieres auseinander. Aber auch für Erwachsene nehmen die tierischen Begleiter zunehmend eine neue und bedeutende Rolle ein. Geht der gemeinsame Weg zu Ende, finden immer mehr Tierliebhaber in der Beisetzung des verstorbenen Tieres Trost. Die individuelle Bedeutung des Tieres für den Menschen und die Beziehung machen daneben auf ein Problem unserer Gesellschaft aufmerksam: Denn neben den liebevoll bestatteten Haustieren geraten die Nutztiere weitgehend aus dem Blick. Sie werden zu Tieren zweiter Klasse degradiert.

Die vielfältige Bestattungskultur für Haustiere wirft im Verhältnis zur christlichen Bestattung eine Reihe grundsätzlicher Fragen auf, die eine religionspädagogische Bearbeitung verdienen: Welche Bedeutung haben Tiere für Menschen? Warum bestatten Christen ihre Verstorbenen? Welche Bestattungsrituale gibt es und was bedeuten sie? Was sind Merkmale einer christlichen Bestattung? Welche Formen der persönlichen und kommerziellen Tierbestattung gibt es?

Die folgenden Stundenentwürfe für die Primar- und Sekundarstufe I greifen diese und weitere Fragestellungen in einem Vergleich zwischen der christlichen Bestattungskultur und der praktizierten Tierbestattung auf. Anhand der Materialien erhalten die Kinder und Jugendlichen facettenreiche Einblicke in die Thematik, um zu einem persönlichen und begründeten Urteil zu gelangen. Eine ausführliche Diskussion zur Frage einer „christlichen Tierbestattung“ stellt aufgrund der hohen kommunikativen Kompetenz sowie des sicheren Umgangs mit Inhalten für die Grundschüler eine zu hohe Herausforderung dar, während es für die Sekundarstufe das Ziel der Unterrichtssequenz sein wird.

Für die Primarstufe

Das vorliegende Material versteht sich als ergänzender Teil einer Unterrichtsreihe zum Thema Tod und Sterben (siehe Verweis Rahmenplan), der in Kombination mit der Reihe selbst oder im Verständnis des spiralförmigen Lernens das Thema vertiefend wieder aufgreift. Aufgrund der diskursiven Elemente und der angestrebten Meinungsbildung, die in eine kreative Form münden soll, ist es sinnvoll, zumindest das hier vorgestellte Unterrichtsmaterial in der dritten, besser vierten Schulstufe einzusetzen. Innerhalb des Themenkreises Sterben und Tod liegt der inhaltliche Schwerpunkt der Unterrichtsvorschläge auf dem Teil-
aspekt der Bestattungskultur. Über diesen kann das zuvor erarbeitete Verständnis des Themenkreises – je nach Kompetenzen der Schüler – wiederholt, vertieft und mit anderen theologischen Fragestellungen in Zusammenhang gebracht werden. Unter Berücksichtigung des Vorwissens ergeben sich unterschiedliche Modi des Einsatzes, sodass der im Folgenden vorgeschlagene Ablauf nur exemplarischer Natur sein kann.

1. Abschnitt: Sterben und Tod – allgemeiner Zugang

Wie eingangs angedeutet, verfügen Kinder in der Primarstufe in der Regel bereits über direkte oder indirekte Erfahrungen mit dem Tod. Daher ist es im Rahmen des Religionsunterrichts durchaus sinnvoll, ihnen zunächst einmal die Möglichkeit zu eröffnen, davon zu erzählen. Sind die Erfahrungen derart belas-
tend, dass alle oder einzelne Schüler angesichts des Todes sprachlos geworden sind, können nonverbale Kommunikationsformen die Sprachfähigkeit wiederherstellen. Dafür stehen das Malen von Bildern, die Vertonung eigener Todesvorstellungen mit Orffschen Instrumenten, das Finden und Darstellen angemessener Körperhaltungen, die den Gefühlen von

Tierbestattung ist zu einem Thema geworden, das eine hohe lebensweltliche Relevanz besitzt und bislang im Religionsunterricht nur wenig Beachtung fand.

Matthias Cameran / Andreas Thelen-Eiselen

Tod und Trauer entsprechen, und deren Darstellung, das Verfassen eigener Texte und vieles mehr. Diese Erfahrungen können gleichermaßen auch als Ausgangspunkt für die Anbahnung eines sachgerechten Todesverständnisses genommen werden. Dabei sollte die Endgültigkeit des Todes der zentrale Aspekt dieser Bemühungen sein. Sollten nicht bereits persönlich tragische und emotional nicht verarbeitete Erfahrungen bestehen, fällt es Schülern in der Regel leicht, über das Thema Tod und Sterben zu sprechen. Dies bezieht sich jedoch nur auf die Gesprächsbereitschaft als solche, dem entgegen steht nicht selten eine Hilflosigkeit, die Vorstellungen, Hoffnungen und Ängste dieses sehr emotional besetzten Themas zur Sprache oder allgemein zum Ausdruck zu bringen. In Anbetracht der christlichen Flüchtlinge, die gegebenenfalls am katholischen Religionsunterricht teilnehmen, kann es durchaus ratsam sein, einen behutsamen Einstieg in das Thema über eine Erzählung zu wählen. Narrative Aufarbeitungen in Buch- und Filmform finden sich zahlreiche, auch solche, die im modernen Gewand die basale Bedeutung dieser Thematik zu beleuchten vermögen, ohne Klischees älterer Formate aufzugreifen. Häufig orientieren sich die Kurzfilme sehr nah an Buchvorlagen, sodass ein kombinierter Medieneinsatz im Unterricht denkbar ist. Zu den empfehlenswerten Geschichten gehören unter anderem die Bücher „Ente, Tod und Tulpe“, „Die besten Beerdigungen der Welt“ oder die Filme „Neuneinhalbs Abschied“ und „Dort unten“.

2. Abschnitt: Bestattungskultur – Mensch und Tier

Baustein 2.1 – Unterschiede wahrnehmen und ausdrücken

Den einführenden Teil in diesen Abschnitt bildet die visuelle Konfrontation mit Mensch- und Tierfriedhöfen. Je nach Vorwissen, persönlicher Erfahrung und schulischer Thematisierung kennen Schüler grundlegende Merkmale christlicher Friedhöfe in westeuropäischer Gestalt – an Gräbern südlicher Kulturkreise lassen sich zwar auch basal christliche Gestaltungsmerkmale erkennen, sie erschweren aber in diesem Zusammenhang die angeregte Auseinandersetzung mit Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Mensch- und Tierfriedhöfen. Durch den Vergleich beider Friedhofsformen soll die Wahrnehmungskompetenz gefördert werden, beide Typen anhand bestimmter Merkmale zu unterscheiden und herauszufinden, in welcher Hinsicht beide Formen sich ähneln (M1). Interessanter, weil uneindeutiger, wird dieser Vergleich durch die Verwendung der Fotos von „unbenannten“ Gräbern als Einstieg, da die Identifizierung, ob es sich um ein Menschengrab oder Tiergrab handelt, nicht anhand der auf dem Grabstein installierten Namen und Bilder von den Schülern vorgenommen werden kann. Nachdem die trennenden und einenden Merkmale herausgearbeitet und in einer Form gesichert wurden – das Arbeitsblatt M1 stellt nur eine Möglichkeit dar, denn eine tabellarische Gegenüberstellung ist ebenso denkbar – bieten sich anschließende Fragen, die in den folgenden Bausteinen bedacht werden sollen.

Baustein 2.2 – Christliche Bestattungen

Abhängig von Erfahrungen und Vorwissen der SchülerInnen soll entweder einführend oder wiederholt vertiefend der rituelle Ablauf einer kirchlichen Bestattung ins Zentrum der Betrachtung rücken. Leitend können der Informationstext und die Abbildungen auf dem Arbeitsblatt M2.1 sein. Je nach zuvor erworbenen Kompetenzen der Lerngruppe sind jedoch auch andere, offenere Methoden und Formen der Informationsgewinnung vorstellbar. Denkbar ist eine Internetrecherche auf Portalen, die in qualitativer und quantitativer Hinsicht altersgemäße Informationen bereitstellen. Hierzu zählen Internetseiten wie: kindernetz.de, planetschule.de oder religionen-entdecken.de.

Die zusammengetragenen Einzelheiten können in Anlehnung an bzw. mit Hilfe des Arbeitsblatts M2.2 gesichert werden. Sollte das Thema Bestattungen im Rahmen dieser Stundenfolge zum ersten Mal behandelt werden, empfiehlt sich eine tiefgründigere Behandlung dieser Phase bzw. auch deren Verlegung in den ersten Abschnitt (siehe oben). So können Schüler in Gruppenarbeit bestimmte Details und Begriffe des kirchlichen Ritus näher untersuchen – auch ein Besuch auf dem örtlichen Friedhof, ein Interview mit dem ortsansässigen Priester, Diakon, pastoralen Mitarbeiter oder einem Bestatter lässt die Schüler wertvolle Aussagen aus erster Hand gewinnen. Interviews erhalten einen gesteigerten Wert, wenn im Vorfeld gemeinsam oder in Gruppen Fragen vorbereitet werden – dieses Vorgehen bricht den gängigen Modus, dass ein Experte berichtet und Schüler zuhören, auf und die Begegnung wird interaktiver.

Baustein 2.3 – Tierbestattungen

Die nachfolgende Phase beginnt mit den einleitenden Überlegungen der Schüler, wieso Menschen ihre Tiere bestatten möchten bzw. geöffneter, was mit gestorbenen Tieren geschieht (Arbeitsblatt M3). Die Ergebnisse können sehr unterschiedlich ausfallen. Eine Hilfe können hier auch die in Baustein 2.1 eingesetzten Abbildungen eines Tierfriedhofs sein, da bestimmte Elemente auf den Gräbern Rückschlüsse auf die Motivation zulassen.

Das menschliche Verhältnis zu Tieren in der Moderne ist zutiefst ambivalent; darauf verweist der nachfolgende Fragekomplex auf dem Arbeitsblatt. Einerseits investieren Halter in wohlhabenden Ländern immer größere Beträge in ihre Haustiere, andererseits ist die Frage nach einer artgerechten, ökologisch unbedenklichen und zukunftsfähigen Tierhaltung – wenn man das Konsumverhalten als Indikator heranzieht – noch nicht in das Bewusstsein breiter Schichten der Gesellschaft gelangt. Mit anderen, drastischen Worten: Der Umgang mit dem Haustier trägt mitunter tiefe Züge einer Vermenschlichung, während die Behandlung von Tieren beispielsweise in der Lebensmittelindustrie den Eindruck vermittelt, dass es sich gerade nicht um Lebewesen handelt. Beiden Formen ist jedoch gemein, dass sie jeweils als nicht artgerecht zu bezeichnen sind. In dieser Hinsicht stellen die Schüler bereits erste Überlegungen dazu an, welche Tiere in unserer Gesellschaft bestattet werden.

Je nach Aufbau der Unterrichtsreihe bietet es sich an dieser Stelle an, auf narrative Elemente in Abschnitt 1 zu verweisen. Besonders anschlussfähig ist hier die Erzählung von Ulf Nilsson und Eva Eriksson „Die besten Beerdigungen der Welt.“, die auch als Vorlage für den gleichnamigen Kurzfilm diente (Regie: Ute Wegmann, 19 Minuten). Denn besonders die weiterführenden Überlegungen zu dieser Erzählung rufen die Frage nach den in der Natur gestorbenen Tieren wach, die der Mensch alleine aus rein pragmatischen Gründen nicht bestatten kann.

Baustein 2.4 – Warum gibt es keine kirchlichen Tierbestattungen?

Zumindest durch den Religionsunterricht wird den Schülern vermittelt, dass der christliche Glauben das gesamte Dasein des Menschen umschließt und rituell ausgestaltet. Hieraus ergibt sich die Frage, wieso es keine kirchliche Tierbestattung gibt. Der auf dem Arbeitsblatt M4 befindliche Informationstext gibt darüber Aufschluss, dass Tiere, anders als der mit freiem Willen ausgestattete Mensch, weder einen theoretischen noch praktischen Abfall von Gott kennen. Ihr Handeln ist nicht in Gut und Böse unterscheidbar; zumal eine böse Handlung (Sünde) den Willen zu einer solchen überhaupt erst als Voraussetzung hat. An dieser neuralgischen, fundamentaltheologischen Stelle müssen sich die Schüler mit speziellen Fragestellungen auseinandersetzen. So ist es für manche Schüler ggf. nicht unbedingt verständlich, dass es keine böse und gut handelnden Tiere gibt, sondern dass Tiere aus menschlicher Perspektive Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen aufweisen, die wir als nütz

Das menschliche Verhältnis zu Tieren in der Moderne ist zutiefst ambivalent.

lich, gefährlich, liebenswert, unverständlich oder abstoßend empfinden. Ein relativ einfaches Verständnis kann hier vor allem durch Beispiele angeleitet werden: Warum sticht eine Biene? Ein Stich, den wir als schmerzhafte Verletzung empfinden, selbst wenn von uns zuvor keine (mutwillige) Bedrohung ausging. Anhand solcher Beispiele können auch Kinder, die selbst keine Erfahrungen mit Haustieren (wie Hunden oder Katzen) sammeln konnten, die Handlungsfolgen nachzuvollziehen lernen. Denn durch die Regeln in der Schule ist den Schülern auf der anderen Seite selbst auch bewusst, dass sie auf ihr Verhalten bewusst Einfluss nehmen können. Hieraus lässt sich erst ableiten, wieso der Mensch überhaupt zu unrechtem Tun, zur Sünde fähig ist. Um diesen Aspekt zu vertiefen, könnte man auf zuvor besprochene Inhalte zurückgreifen. Eine Möglichkeit besteht in der Thematisierung des Verhaltens der Pinguine im ersten Teil des Buchs „An der Arche um Acht“. Der Schlüssel für SchülerInnen in der Primarstufe, wieso es keine kirchliche Beisetzung von verstorbenen Tieren gibt, ist somit die Unfähigkeit des Tiers zur Sünde. Mehr über die Stellung des Tiers in der Schöpfungsordnung geben die Erzählungen vom heiligen Franziskus in anschaulicher Weise preis, die parallel bzw. situativ in diesem Baustein eingesetzt werden können. Weiterführende Informationen für die Lehrkraft finden sich im Informationstext für die Sekundarstufe und im Katechismus der Katholischen Kirche.

Baustein 2.5 – Von einem Tier Abschied nehmen

Der Abschluss der Unterrichtsreihe stellt die kreative Auseinandersetzung mit der möglichen Beisetzung eines Tiers dar. Es bietet sich an, die ggf. zu Beginn in Abschnitt 1 eingesetzte Erzählung aufzugreifen und die Schüler eine Beisetzung eines Tiers gestalten zu lassen. Dies kann aus praktischen Gründen vorzugsweise in Form eines Gemäldes oder besser in einer Collage geschehen. Das Material für die Collage kann sich aus fiktiven, aus der Geschichte stammenden Informationen speisen – oder bestimmte symbolische Gegenstände beinhalten. Abschließend sollte es in Form einer gemeinsamen Präsentation und Vorstellungsrunde die Möglichkeit geben, dass über die unterschiedlichen Entwürfe gesprochen wird. Mit dieser abschließenden Arbeit soll keiner vermenschlichenden Bestattungsform für verstorbene Tiere Vorschub geleistet werden, vielmehr sollen die Schüler eine eigene Sprache – losgelöst von christlich besetzten Symbolen – für ihre Gedanken und Gefühle finden. Demnach besteht die primäre Zielsetzung in der Förderung eigener Ausdrucksfähigkeit angesichts eines Abschiednehmens.

Abschließend ist noch zu betonen, dass gerade in dieser Phase bestimmte Ängste oder Verlusterfahrungen wieder aufbrechen können. Hier sollte keiner der Schüler zu etwas gezwungen werden, wozu er oder sie sich nicht in der Lage fühlt, zu tun, da bestimmte Gefühle noch nicht verarbeitet wurden.

Für die Sekundarstufe

1. Stunde: Vergleich der Grabgestaltung von Mensch und Tier (M1–M2.1-2)

Die Annäherung an die Thematik „Bestattung von Mensch und Tier“ erfolgt über den Vergleich der Grabgestaltung eines Tiergrabes mit den Gräbern von Menschen. Grundlage für den Vergleich sind die Bilder von verschiedenen Tiergräbern (M1) eines Tierfriedhofs, woran Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede aufgezeigt werden können. Wie bei menschlichen Gräbern sind die Tiergräber eingefasst, bepflanzt und meist mit einem Grabstein versehen. Häufig ist ein Grablicht aufgestellt, wobei stattdessen ebenso Laternen Verwendung finden. Neben dem Namen des verstorbenen Tieres ist u.a. das Geburts- und Sterbejahr festgehalten, teilweise auch mit genauer Angabe von Tag und Monat. Im Unterschied zu menschlichen Gräbern sind religiöse Symbole, wie z.B. das Kreuz, Heiligenfiguren oder die betenden Hände, nicht zu sehen. Grundsätzlich ist dies jedoch nicht immer der Fall. Sofern die Friedhofsordnung des Tierfriedhofs dies nicht untersagt, finden sich gelegentlich auch christliche Symbole auf den Tiergräbern wieder, was jedoch insgesamt eine Ausnahme darstellt. Häufig sind Holzherzen mit den Namen des verstorbenen Tieres auf den Gräbern angebracht sowie dekorative Elemente wie z.B. Steine in Herzform, Tierfiguren (Hase, Katze, Hund…) und Kindesengel (Putten), wobei Letzteres ohne klaren Bezug zum Christentum steht und nicht mit Heiligenfiguren gleichzusetzen ist.

In arbeitsgleichen Gruppen werden die verschiedenen Bilder (M1) auf Gemeinsamkeiten/ Ähnlichkeiten, Unterschiede und mögliche Gründe der Tierbestattung hin untersucht und die eigene Meinung zur Tierbestattung notiert. Hierzu werden nach Möglichkeit Vierergruppen gebildet, die sich an einem Tisch versammeln. Anschließend erhalten die Schüler den Arbeitsauftrag für das gelenkte Schreibgespräch (M2.1) und kleben die Plakatvorlage (M2.2) mittig auf ein DIN A3-Plakat, sodass ausreichend Platz für die schriftlichen Notizen zur Verfügung steht. Nun notiert jedes Gruppenmitglied zu den jeweiligen Bildern (M1) und dem vor ihm befindlichen Feld der Plakatvorlage (M2.2) innerhalb von 3 Minuten seine Eindrücke und Gedanken. Natürlich kann auch eine andere Zeitvorgabe vereinbart werden.

Nachdem die Zeit vorüber ist, gibt der Lehrer das Signal, den Sitzplatz im Uhrzeigersinn zu wechseln, sodass jedes Gruppenmitglied ein neues Themenfeld vor sich findet und die zweite Runde beginnen kann. Die bereits vorhandenen Notizen des Vorgängers können gelesen und durch eigene Anmerkungen innerhalb des nächsten Zeitabschnitts ergänzt werden. Auf diese Weise wird verfahren, bis schließlich jedes Gruppenmitglied alle vier Themenfelder kommentiert hat. Anschließend liest jeder Schüler unkommentiert die Anmerkungen zu dem vor ihm liegenden Themenfeld vor, damit alle Gruppenmitglieder über die gesammelten Notizen informiert sind. Im nächsten Schritt gilt es, diese Notizen für eine Kurzpräsentation aufzubereiten. Im Plenum stellt dann jede Gruppe ihre Ergebnisse vor und ein Austausch zu den Bildern kann erfolgen.

2. Stunde: Christliche Bestattungskultur (M3-M4)

Wann in der Geschichte der Menschheit damit begonnen wurde, die Toten zu bestatten, ist umstritten, da die frühesten archäologischen Grabfunde nicht eindeutig sind. Die Einzelheiten der Bestattungsriten dürften dabei meist von den jeweiligen religiösen Vorstellungen geprägt sein und haben sich aus den vorgeschichtlichen Stadien entwickelt.

Im Christentum führte der Glaube an die Auferstehung und das Gedenken an den Verstorbenen dazu, dass eine kirchliche Beerdigung üblich wurde.
Anhand des Textes zur christlichen Bestattungskultur (M3) befassen sich die Schüler mit Trauerritualen und dem Ablauf der Begräbniszeremonie, wobei parallel Hinweise zum Judentum und Islam einfließen. Stichpunktartig notieren die Schüler anschließend die wesentlichen Informationen in der Tabelle (M4).

Zur Vertiefung in einer weiteren Stunde bieten sich die Filme „Tabu Tod? – Bestattungskultur im Wandel der Zeit“ und „man stirbt“ an, die zum Download über das Medienportal der Evangelischen und Katholischen Medienzentralen (www.medienzentralen.de) zur Verfügung stehen. Der Dokumentarfilm „Tabu Tod“ besteht aus zwei Einzelfilmen: „Bestattungskultur im Wandel der Zeit“ (19 min) und „Michael-Jackson-Memorial“ (9 min). Im Hinblick auf die Thematik dieser Stunde eignet sich insbesondere der erste Film, der die Kulturgeschichte der Bestattung von den Anfängen bis in die Gegenwart im christlichen Abendland in den Blick nimmt. Das Begleitmaterial enthält zwei Beobachtungsbögen zum Film, ein Arbeitsblatt zum Aufbau und der Bedeutung des mittelalterlichen Friedhofs sowie verschiedene Bilderserien.

Ebenso empfehlenswert ist der Film „man stirbt“ (31 min), der in einer fiktiven Geschichte die letzten Lebenstage eines 79-Jährigen, sein Sterben, die Bestattungsvorbereitungen sowie die Trauerfeier und Beerdigung thematisiert.

3./4. Stunde: Formen der Tierbestattung (M5.1-2)

Nachdem die christliche Bestattungskultur im Fokus stand, wird im Folgenden der Blick auf die Bestattungsformen von Tieren gerichtet. Wie bei der Grabgestaltung zeigt sich auch hier, dass es Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt. Auf Wunsch übernimmt ein Tierbestatter alle notwendigen Vorbereitungen, informiert über die Bestattungsmöglichkeiten, die Formen der Kremierung, die Auswahl an Tierurnen und kümmert sich um die Abholung des toten Tieres, die Überführung zum Tierkrematorium sowie die an-

Eine preiswerte und teils kostenfreie Variante stellen virtuelle Tierfriedhöfe und -gedenkstätten dar.

Matthias Cameran / Andreas Thelen-Eiselen

schließende Rückführung der Asche. Die Preise des Tierbestatters richten sich nach dem jeweiligen Leistungsumfang. Eine deutlich preiswertere und teils kostenfreie Variante stellen virtuelle Tierfriedhöfe und -gedenkstätten dar, in denen Tierliebhaber ihrem verstorbenen Haustier individuell und nach verschiedenen Vorlagen und Grafiken einen Grabstein gestalten können. Im Kondolenzbuch sind registrierte und nicht registrierte User dazu eingeladen, Einträge vorzunehmen oder eine virtuelle Kerze zu entzünden. Daneben gibt es vereinzelt auch private Internetseiten, die sich dem verstorbenen Haustier widmen. Hier erfährt man meist anhand von Fotos, kleinen Anekdoten und Erlebnissen alles über das Leben des verstorbenen Tieres.

Mittels einer gelenkten Internetrecherche bereiten die Schüler in einer arbeitsteiligen Gruppenarbeit Infoplakate (M5.1-2) zu virtuellen Tierfriedhöfen und -gedenkstätten sowie zu Bestattungsunternehmen für Tiere vor. Je nach Gruppengröße kann ein Thema auch mehrfach vergeben werden, was sich insbesondere für die Tierbestattungsunternehmen anbietet, da es hier eine Vielzahl von Angeboten gibt. Neben den angegebenen Internetseiten können weitere ergänzend hinzugefügt werden. Die Internetrecherche kann entweder im PC-Raum der Schule durchgeführt werden oder bereits vorbereitend in einer Hausaufgabe stattfinden. Das fertige Plakat wird im Rahmen eines Kurzvortrags im Plenum von zwei Gruppensprechern präsentiert. Eine kontroverse Diskussion sollte sich der Präsentation unbedingt anschließen, um zu erörtern, inwieweit die Tierbestattung in dieser Form zu einer Vermenschlichung des Tieres führt und Grenzen zwischen Mensch und Tier verwischt werden.

5.-7. Stunde: Christliche Bestattung von Mensch und Tier? (M6.1-4)

In Braubach und in Essen hat die Deutsche Friedhofsgesellschaft die ersten Friedhöfe eröffnet, auf denen Mensch und Tier in einem Urnengrab bestattet werden können. Der Friedhof „Unser Hafen“ schafft damit eine neue Form der Beisetzung und regt die Debatte über den Umgang mit verstorbenen Haustieren an. Bestattungskulte für Tiere gab es bereits im alten Ägypten, was Ausgrabungen belegen. Und selbst Friedrich der Große ließ sich neben seinen Windhunden begraben. In einem Freundschafts- oder Familiengrab können Tierliebhaber ihr Grabfeld auf Deutschlands erstem Mensch-Tier-Friedhof individuell gestalten und eine eigene Abschiedszeremonie durchführen. Ein christliches Begräbnis lehnt die katholische Kirche jedoch strikt ab, weil die Unterschiede zwischen Mensch und Tier verwischt werden, weshalb eine christliche Bestattung dem Menschen vorbehalten bleibt. Gegen eine andere Form der Beisetzung eines Tieres spricht laut Dr. Rainer Hagencord vom Theologischen Institut für Zoologie in Münster nichts, da dies in erster Linie dem Menschen hilft, der sein Tier verloren hat. Andererseits kann es je nach Ausgestaltung zum Zeichen übertriebener Haustierliebe werden, während die Nutztiere im industrialisierten Agrarwesen ausgeblendet werden.

Wie sind solche Bestattungsformen zu beurteilen? Ist ein christliches Begräbnis oder eine anderweitige Bestattungsform von Tieren vertretbar? Braucht die Trauer um ein Tier einen speziellen Ort und muss dieser mit einem Friedhof vergleichbar sein? Sind Mensch und Tier vor Gott zu unterscheiden? Kann der Mensch-Tier-Friedhof als eine Reaktion auf eine gesellschaftliche Veränderung hinsichtlich der Friedhofskultur verstanden werden? ...

Wenn die Schüler begründet Stellung beziehen sollen, sind all diese Facetten zu beleuchten. Hierzu werden die Schüler in vier Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält ein anderes Themenfeld (M6.2-4), das innerhalb einer Unterrichtsstunde vorbereitet wird: 1. Aussagen der Pressesprecherin Judith Könsgen vom Mensch-Tier-Friedhof „Unser Hafen“, 2. Kirchliche Aussagen zur Bestattung von Tieren, 3. Interview mit dem Friedhofsverwalter des Tierfriedhofs am Bremerhaven, 4. Interview mit dem evangelischen Pfarrer Jens Feld und dem Theologen Dr. Rainer Hagencord. Die Gruppen 3 und 4 benötigen einen Internetzugang, da es sich hier um einen Filmclip handelt. Nachdem die Schüler die Kernaussagen der Interviewpartner stichpunktartig zusammengefasst haben, erfolgt in der Folgestunde der Austausch mittels Kugellagermethode. Die Methode ist im Materialteil nochmals eingehend beschrieben (M6.1). Durch den Austausch im Kugellager sind die Schüler einerseits gefordert, über ihr eigenes Themenfeld sowohl verständlich als auch informativ zu referieren und andererseits die Aufmerksamkeit auf das Gegenüber zu richten und alle wesentlichen Informationen zu erfassen. Die Wiederholung des Weiterrückens, Vortragens und Zuhörens in der Rotation des Kugellagers führt dazu, dass die Schüler am Ende über jedes Themenfeld informiert sind und in der Abschlussstunde ein Austausch bzw. eine Diskussion in der Gesamtgruppe unter der Überschrift „Christliche Bestattung von Mensch und Tier?“ stattfinden kann.